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NAMIBIA – SONNE, SAND UND MEER

VON DR. ROBERT KRAUS

 
Starte Diaschau
Dead Vlei (C) Alamy Stock Photo Luederitz (C) Stefano Politi Markovina / Alamy Stock Photo Cape Cross (C) Mag. Peter Brugger Twyfelfontein (C) Jan Schuler - stock.adobe.com Elefanten im Etoscha NP (C) Mag. Peter Brugger Leopard im Etoscha-NP (C) Mag. Peter Brugger Zebras im Etoscha-NP (C) Nadine Ebner Gabelracke im Chobe-NP (C) Christian Kneissl Herero-Frauen (C) Mag. Peter Brugger
 

Erlebnisse eines Reiseleiters in der ältesten Wüste der Erde
 
Das „Dead Vlei“ ist der absolute Höhepunkt jeder Reise in die mit ca. 80 Millionen Jahren „älteste Wüste der Erde“. Der unterirdisch fließende „Tsauchab“ hat einst den Kameldornbäumen genug Wasser geliefert, um in diesem abgelegenen Talkessel zu überleben. Obwohl der Regen hier gegen Null geht, erreichen die Wurzeln die tief liegenden Wasseradern. Nur hat der Fluss seinen Lauf inzwischen geändert und heute stehen nur noch skurrile Baumskelette im Dead Vlei. Dieses Bild hat jeder Namibia-Reisende schon vor der Tour vor Augen und brennt darauf, es „live“ zu erleben – aber das karge Land am anderen Ende unserer Erde hat noch sehr viel mehr zu bieten.
 
Kämpfende Wildpferde, blühende Wüste, springende Delfine
Bei meiner letzten Namibia-Reise hatten wir mehrere geniale Glücksmomente. Am Rand der Namib leben einige der letzten Wildpferde des Landes – vermutlich Nachkommen deutscher und südafrikanischer Armeepferde. Hier können sie überleben – ohne Räuber wie Hyänen und ohne Krankheiten wie die von der Tsetsefliege übertragene Schlafkrankheit (Pferde sind enorm empfindlich, weshalb es in Afrika grundsätzlich kaum welche gibt). Meist sieht man die berühmten Wildpferde vom Beobachtungsposten neben einem Wasserloch in der Ferne – nur bei der letzten Reise sind sich zwei Hengste direkt vor unserer Nase „in die Wolle gekommen“. Sie hatten es wohl beide auf eine hübsche Stute abgesehen und haben sich einen Kampf geliefert, bei dem die Fetzen flogen. Ein einmaliges, unvergessliches Erlebnis.
Von den Wildpferden fährt man weiter Richtung Lüderitz an die Küste – aber was ist das denn? Ein Blütenmeer, ein Teppich aus cremefarbenen Mittagsblumen von der Straße bis zum Horizont. Unser Busfahrer meinte, als er das letzte Mal vor ein paar Wochen hier vorbeigekommen ist, hat es genau an dieser Stelle geregnet. Das Ergebnis: Blühende Wüste – flächendeckend soweit das Auge reicht. Ein paar Kilometer weiter – und alles ist wieder vorbei.
Gleich am nächsten Tag, das nächste Highlight: eine Bootstour in der Lüderitzbucht. Ja, Brillenpinguine und Flamingos sind hier „Standard“ und praktisch immer zu sehen, auch wenn in der Bucht morgens fast immer der Küstennebel wabert – aber heute: springende Benguela-Delfine in der gleißenden Wüstensonne direkt vor der Kameralinse, Dünen im Hintergrund. Herz, was wünschst du mehr?
Das sind Momente, die man als Reiseleiter eher selten erlebt – dagegen gibt es geniale „Highlights“, die man gut planen und praktisch bei jeder Reise zeigen kann. Das geht los mit der Kolonie von Südafrikanischen Seebären bei Cape Cross: Zur richtigen Jahreszeit spaziert man am Kreuzkap zwischen hunderten von Robben und deren quengelnden Babys – von der Geräuschkulisse und vor allem vom Geruch an dieser Stelle möchte ich lieber nicht reden.
 
Felskunst: Twyfelfontein
Die Namib ist nicht nur die älteste Wüste der Erde – auch einige der frühesten Menschen der Erde lebten hier - und deren Relikte sind heute noch zu finden: Die Felsritzungen von Twyfelfontein sind ein weiterer Höhepunkt jeder Namibiareise. Hunderte Zeichnungen haben die Vorfahren der San hier in die Felsen geritzt. Tiere, Tierspuren, eine Landkarte, die anzeigt, wo Wasserlöcher zu finden sind – und sogar einen Löwen mit einer menschlichen Hand am Schwanz (vermutlich der „Schamane“). Die Kernfragen zu diesen Gravuren konnten Wissenschaftler bis heute nicht klären. Man kennt die Urheber nicht wirklich – und auch das Alter lässt sich nur schätzen, sie sind ca. 2500-6000 Jahre alt.
 
Die Tierwelt: Etosha Nationalpark
Löwen, Elefanten, Giraffen, Zebras, Gnus. Ein erfahrener Reiseleiter weiß, wo er suchen muss, um die Großtiere Afrikas am Rande des „großen weißen Platzes“ zu finden. Die Löwen ruhen immer an den gleichen Schattenplätzen, die Nashörnern kommen mit ziemlicher Garantie nachts an ihr Wasserloch, Elefanten sind auch ziemlich zuverlässig und man weiß, welche Wasserlöcher sie zu welcher Uhrzeit aufsuchen – nur das Auftauchen von Hyäne, Gepard oder Leopard ist nicht planbar: Das sind Glücksfälle, die man nicht steuern kann – aber doch immer wieder einmal erlebt. Fast die gesamte Großtierwelt Afrikas ist in der Etoshapfanne zu finden – und nur der Büffel fehlt, wenn man auf der Suche nach den „Big Five“ ist.
 
Kulinarisches: Braai
Reisen sollte man grundsätzlich immer mit allen Sinnen. Wenn man mich fragt, welche Düfte ich mit Namibia verbinde, dann denke ich an Subtiles wie Regen in der Wüste, Aufdringliches wie das Aroma der Robbenkolonie – aber vor allem an Grillduft. „Braai“ – Grillen – ist mit Abstand die Lieblingsbeschäftigung eines Namibianers am Wochenende – und dementsprechend duftet es tagtäglich an den Buffets der Lodges. Von Warzenschwein über Krokodil bis Oryxantilopensteak und Zebraroulade kommt alles auf den Teller. In Namibia gibt es neben den Rinderfarmen jede Menge „Game Farms“, die sich auf die Aufzucht der Wildtiere spezialisiert haben. Großwildjäger freuen sich über die Trophäen, das Fleisch landet auf den Tellern.
Wer es lieber vegetarisch wünscht, der hat es ein bisschen schwerer. Das lokale Grundnahrungsmittel „Mieliepap“ ist an jedem Buffet zu finden (früher Hirse-, heute meist Maisbrei). Andere Beilagen, Salat und Gemüse findet man natürlich auch – aber das ist in den Lodges eher Nebensache. Namibia ist ein Land für „Fleischwölfe“.
 
Die Menschen: eine kunterbunte Mischung
Eine Empfehlung, die sich kein Besucher im Land entgehen lassen sollte: Lassen Sie sich durch das „Damara Living Museum“ nahe Twyfelfontein führen. Ich habe nirgends sonst Afrikaner gesehen, die mit einem unglaublichen Elan und voller Begeisterung ihre traditionelle Lebensweise zelebrieren. Wussten Sie z.B., dass bei den „Bergdama“ die Häuptlinge ihre Konflikte nicht mit Waffengewalt, sondern am Spielbrett gelöst haben?
Und auch unter den „weißen“ Namibianern kann man illustre Persönlichkeiten kennen lernen, z.B. Kneissl-Reiseleiterin Elizabeth Taylor – nein, nicht den Star aus Hollywood. Lilly’s Vorfahren haben noch mit Ochsenkarren die Wege zwischen Kapstadt und Windhoek ausgekundschaftet. Sie selbst war in jungen Jahren praktisch die einzige weibliche weiße Polizistin in Namibia – und musste sich unter anderem darum kümmern, Freiheitskämpfer zu Sicherheitspersonal „umzuerziehen“ – heute ist sie begeisterte Reiseleiterin. Außerdem kümmert sich Lilly nebenbei in einem Projekt - in Zusammenarbeit mit dem deutschen Entwicklungshilfeministerium – um die Schulbildung der Kinder der Buschmänner. Die San stehen in der Gesellschaft auch heute noch eindeutig an unterster Stelle.
 
Schmankerl am Ende der Reise
Wenn man schon in Namibia ist, sollte man sich zwei zusätzliche „Schmankerl“ nicht entgehen lassen: Durch den Caprivistreifen ist der Chobe-Nationalpark in Botsuana leicht zu erreichen. Hier gibt es dann auch noch den Büffel, den letzten der „Big Five“ – oder Löwen, die unsere Safarifahrzeuge als Deckung benutzen, um Warzenschweinen aufzulauern … Vom Chobe ist es nur noch ein Katzensprung zu den „Donnernden Wassern“ der Victoria Falls, wahrlich ein krönender Abschluss einer erlebnisreichen Reise durch eines der spannendsten Länder Afrikas.
 
Literaturtipps
Schließen möchte ich meinen Reisebericht mit zwei Empfehlungen, beides Bücher, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Wenn Sie sich vor – oder nach einer Reise nach Namibia ein bisschen weiter in die Geschichte des Landes einlesen möchten, dann schnappen Sie sich „Morenga“ von Uwe Timm und vergraben Sie sich an einem verregneten Wochenende in das Buch. Aber Vorsicht, das Lesen geht unter die Haut: Ein Veterinär muss sich während der deutschen Besetzung mit den „Umgangsformen“ der Deutschen gegenüber den Nama und Herero zurechtfinden.
Oder wie wäre es mit „Wenn es Krieg gibt gehen wir in die Wüste“ von Henno Martin: Zwei deutsche Geologen möchten während des zweiten Weltkrieges der Internierung im südlichen Afrika entgehen und führen zweieinhalb Jahre lang ein primitives Leben als einsame „Jäger und Sammler“ in einem Canyon in der Namib. Ein wahrlich geniales Buch über die Einsamkeit in der Wüste.

 
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